Grenzenlos?

Der Zwang zum Verzeihen ohne Einschränkungen

ist nicht übermenschlich,

sondern unmenschlich.

 

Eine Pflicht zum Verzeihen

darf es nicht geben –

kleinlaut und willensschwach will uns Gott nicht.

 

Doch im Lichte von Gottes Großzügigkeit

wird Gewohntes fragwürdig, ja unerträglich –

wie das gnadenlose Einfordern von Schulden.

 

Siebenmal siebzigmal verzeihen heißt keinesfalls,

duckmäuserisch zu sein und Recht vom Unrecht

nicht mehr zu unterscheiden.

 

Es bedeutet vielmehr, sich von Gottes Vergebung

ergreifen und andere spüren zu lassen,

was mir Gutes widerfuhr.

 

Dorothee Sandherr-Klemp (zu Mt 18,21-35)
aus: Magnificat.
Das Stundenbuch 09/2026, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de